Sozialversicherungssystem

Die Sozialversicherung bildet in Deutschland die wichtigste Institution der sozialen Sicherung. Die Leistungen werden vorwiegend als für alle Versicherten gleiche Sachleistungen (Solidaritätsprinzip) oder als beitragsabhängige Geldleistungen (zum Beispiel Renten, Krankengeld) erbracht. Zu den Aufgaben der Sozialversicherung gehören neben den Versicherungsleistungen im engeren Sinn auch Prävention und Rehabilitation.
In Deutschland sind die sozialen Sicherungssysteme stark an die Höhe des Entgelts für Erwerbsarbeit gekoppelt.
Die Sozialversicherung in Deutschland basiert auf fünf Säulen sowie der Sozialhilfe:
 
  • Arbeitslosenversicherung
 
Arbeitslose haben in Deutschland Anspruch auf Unterstützung. Wer arbeitslos ist und in den letzten zwei Jahren mindes­tens zwölf Monate lang Beiträge in die gesetzliche Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, dem steht Arbeitslosengeld zu (60 bis 67 Prozent des letzten Nettolohns). Das Arbeitslosengeld wird aus den Beiträgen finanziert, die je zur Hälfte Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufbringen. Die Bezugshöchstdauer beträgt sechs bis 24 Monate. Danach kann eine Grundsicherung für Arbeitsuchende („Arbeitslosengeld II“) beantragt werden, die sich nach der Bedürftigkeit bemisst.
 
  • Krankenversicherung (gesetzliche/private)
 
Fast alle Einwohner Deutschlands sind in einer gesetzlichen oder privaten Krankenkasse versichert. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für ärztliche Behandlung, Medikamente, Krankenhausaufenthalt und Vorsorge. Die Beiträge für die Krankenversicherung werden von den Arbeitnehmern und Arbeitgebern aufgebracht. Für nicht erwerbstätige Angehörige der gesetzlich Versicherten müssen keine Beiträge gezahlt werden.
Die Wahl der Krankenkasse: Sollten sie aus Gründen der Arbeitsaufnahme einer abhängigen Beschäftigung nach Deutschland gekommen sein, dann müssen Sie eine Krankenkasse wählen. Anders als in Italien gibt es in Deutschland eine große Anzahl von gesetzlichen und privaten Krankenkassen. Insbesondere bei den privaten Krankenkassen sollten sie die Tarife und Leistungen untereinander vergleichen, da hier große Preis-/Leistungsunterschiede existieren.
 
  • Pflegeversicherung
 
Die Versicherung für den Pflegefall wurde erst 1995 eingeführt. Finanziert wird die obligatorische Pflegeversicherung in einem Umlageverfahren durch paritätische Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Im Falle von anerkannter Pflegebedürftigkeit erhalten sie aus dieser Versicherung einen gestaffelten Zuschuss.
 
  • Deutsche Rentenversicherung
 
Die gesetzliche Rentenversicherung ist die wichtigste Säule der Alterssicherung. Die Finanzierung beruht auf dem Umlageverfahren: Mit den monatlichen Beiträgen der Beschäftigten und der Arbeitgeber werden die laufenden Renten derjenigen gezahlt, die heute im Ruhestand sind. Mit ihrer Beitragszahlung erwerben die Versicherten bis zum Renteneintritt eigene Ansprüche. Für diese künftigen Renten kommen wiederum die nachfolgenden Generationen mit ihren Beiträgen auf („Generationenvertrag“). Daneben bilden betriebliche und private Altersvorsorge die zweite und dritte Säule der Alterssicherung. Sie werden unter bestimmten Voraussetzungen staatlich gefördert.
 
  • Gesetzliche Unfallversicherung
 
Die gesetzliche Unfallversicherung ist eine Haftpflichtversicherung der Unternehmer zugunsten ihrer Arbeitnehmer, die so vor den Folgen eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit geschützt werden. Private Unfälle sind nicht abgedeckt.
 
  • Sozialhilfe
 
Ergänz wird das auf fünf Säulen ruhende soziale Sicherungssystem durch die Sozialhilfe. Sie greift, wenn der Einzelne seine Notlage aus eigenen Kräften und Mitteln oder durch die von Angehörigen nicht beheben kann. Zudem gibt es sozialhilfeähnliche Basisleistungen wie eine Grundsicherung im Rentenalter oder bei dauerhafter Erwerbsunfähigkeit sowie staatliche Hilfe zum Lebensunterhalt oder in besonderen Lebenslagen.
 
 
Vertiefte Informationen zu dieser Thematik finden Sie u.a. auf dieser Internetseite:
Ausführliche Informationen in italienischer Sprache  finden Sie hingegen auf der Internetseite des COMITES Colonia: